Edition 7 - Buch und Musikverlag




Klaus Ager: sieben Wege in H. op. 106  

für Violoncello solo und Ensemble (Dizi, Sheng, Guzheng, Pipa, Schlagwerk, Violine und Klavier)

Die „sieben Wege“ bestehen aus 7 Teilen (wie der Titel des Werks andeutet), einer Introduktion und einer abschließenden Coda. Die 7 Teile sind 4 solo Gesänge für das Violoncello und 3 verbindende tutti Teile.

Die einzelnen Teile entsprechen verschiedenen „Wegen“: -       die Allee nach H. -       die Wege im Park -       die 3 Teiche in H. -       die Wasserspiele -       der Weg zum steinernen Theater

mit den 3 Teichen nimmt das Werk auch einen direkten Bezug auf den großen Salzburger Lyriker Georg Trakl und seine berühmten Gedichte: „die drei Teiche in Hellbrunn“. 1 ... gleiten Masken auf brauner Flut, kleine Hände, verstorben und weiß, und wärmen sich an der Verwesung Glut. … die Birken zittern leise fort und tauchen tiefer … 2 Ferne dämmern Schloss und Hügel. Stimmen von Frauen ,.. schweben zärtlich und dunkelfarben … über dem weißen nymphischen Spiegel. … Eine Drossel scherzt mit ihnen. 3 Die Wasser schimmern grünlichblau und ruhig atmen die Zypressen und ihre Schwermut unermessen fließt über in das Abendblau. … Verfall durchrieselt das Gemäuer der Mond hüllt sich in grüne Schleier und wandelt langsam auf der Flut Die sieben Wege in H. sind eine sehr persönlche Auseinandersetzung mit meinen Kindheitserfahrungen mit dieser Sommerresidenz der Salzburger Fürsterzbischöfe des 17. Jahrhunderts. Als 7-jähriges Kind übersiedelte meine Familie nach Hellbrunn – einem Vorort von Salzburg, so dass ich in unmittelbarer Nähe des Parks mit seinen Gebäuden, seinen Wegen, seinen Teichen und dem fantastischen steinernen Theater aufwuchs. Hellbrunn bot in diesen frühen 50er Jahren natürlich ein ganz anderes Bild als heute: es war ein großer verlassener Park mit verfallenden Gebäuden, wundersamen Teichen, wo sich die Umgebung und der Himmel spiegelte und in denen sich alles mögliche bewegte, und das alles im Schatten des kleinen Hellbrunner Berges, an dessen südlichem Abhang sich das „Steintheater“ befand (und befindet). In diesem Steintheater fand Anfang des 17. Jahrhunderts eine Aufführung des Orfeo von Claudio Monteverdi statt, von der gesagt wird, es sei die erste Opernaufführung nördlich der Alpen gewesen. Für unser Kinder war das Theater natürlich ein fantastischer Ort des Spiels, wie man ihn sich nur wünschen konnte. Auf diesen Wegen waren (und sind?) Schönheit und Vergänglichkeit allgegenwärtg. Musikalisch beruht das Werk auf den 7 Bassnoten einer Kadenz in Es-Dur, (die hauptsächlich im Klavier hörbar ist), dazu kommt noch eine kurze Einleitung und ein Abgesang. Es-Dur ist bekanntlich die Tonart der „Liebe und des trauten Gesprächs mit Gott“ (D. Schubart, 18. Jh), aber es ist auch die Tonart des Rheingolds von R. Wagner, und damit eine Darstellung des Wassers. Und Wasser ist in Hellbrunn auch allgegenwärtig (die 3 Teiche, die Wasserspiele). Letztlich sollte durch die Verwendung der einzelnen Stufen der Kadenz und ihrer Obertöne auch die Verbindung der für uns fremden Instrumente, deren Stimmung nicht ganz mit der unseren kompatibel ist, einen harmonisch durchaus spannenden Effekt erzielen. Ähnlich – in ganz anderer Hinsicht - wie für uns heute Wege in Hellbrunn vor mehr als 50 Jahren zwar schwer vorstellbar sind, aber doch auch immer noch gegenwärtig und deshalb auch spannend, wie alte Fotographien oder Filme.